Das Dao der Staatsführung und Strategie

Das Dao der Staatsführung und Strategie

Der vorliegende Band ist eine Sammlung von Auszügen aus einem recht umfangreichen Weisheitsbuch des alten China. 

Die Nummerierung der einzelnen Strophen oder Weisheitssprüche wurde der Übersichtlichkeit halber hinzugefügt, ist aber im Original nicht erhalten. Dies gilt natürlich auch für die kunstvolle Anreicherung des Textes mit chinesischer Kalligraphie und Landschaftsmalerei im poetischen Stil des alten China.

Desweiteren wurden manche Strophen des Buches, die im Original aufeinander folgen, in einem Paragraph zusammengefügt, weil sie inhaltlich zusammen gehören. Man mag mir diese Freiheit verzeihen, aber sie dient dem Lesen des Textes in moderner Sprache, und dies umso mehr, als die chinesische Sprache von jedweder Sprache des Westens fundamental abweicht, da sie kontextuell ist und multiple, wenn nicht gar sehr verschiedene Übersetzungen rechtfertigt. 

Andererseits enthält das Buch aber auch viele Strophen, die einfach Wiederholungen sind, oder es werden Bemerkungen in manchen Strophen gemacht, die völlig ausserhalb des Kontextes stehen. Das mag seinen Grund darin haben, dass dieses alte Buch über die Kunst der Staatsführung nicht nur einen Autor hat, sondern dass viele daran mitgewirkt haben.

Während man beim Dao De King (Tao Te King), welches ich in deutscher Übersetzung bereits veröffentlicht habe, daran zweifeln mag, ob es wirklich nur von Laotse verfasst wurde—und die philologische Forschung ist denn heute überwiegend der Meinung dass auch das Dao De Ging von einer Mehrzahl von Autoren verfasst wurde—so kamen solche Zweifel beim Huainanse gar nicht erst auf. Es wurde von einer Anzahl von daoistischen Gelehrten verfasst, die im Dienst des Königs von Huainan standen, einem kleinen Fürstentum im China der Han Dynastie, im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Der König war Kunst und Literatur sehr ergeben und sein Hof war ein beispielhafter kultureller Schauplatz, als acht daoistische Meister mit diesen Lehren auftraten.

Obwohl es einem schnell klar wird beim Lesen dieses Textes, dass diese Schriftsteller stark beeinflusst waren von den Klassikern von Laotse und Tschungtse bis hin zu Konfuzius, so ist der Fokus des vorliegenden Werkes doch ein recht anderer, denn es geht hier einzig allein um Staatsführung, Sozialpolitik, und politische Strategie, und nicht um allgemeine Philosophie im Sinne von Laotse oder Tschungtse, oder Ethik und Moral im Sinne der konfuzianischen Lehre.

Zu beachten ist weiterhin, dass die Werke von Laotse und Tschungtse von den bürgerkriegsartigen Zuständen des beginnenden Feudalismus geprägt waren, während die Meister von Huainan in einer Zeit der Rekonstruktion lebten, nachdem für einige Hundert Jahre Bürgerkrieg geherrscht hatte im ganzen China. Daher fällt auf, dass diese Lehren und Einsichten viel mehr positives Denken und viel weniger Zynismus enthalten, als die der Taoisten, die in turbulenten Zeiten ihre Bücher schrieben.

Ganz wie andere taoistische Schriften, so dient auch das vorliegende Buch der Kontemplation, und wurde nicht mit dem Ziel verfasst, eine jedwede Ideologie zu propagieren.

Obwohl der Fokus des Werks auf der Kunst der Staatsführung liegt, so wird dieses Thema doch sehr breit behandelt, denn es geht um so verschiedene Fragen wie Organisation und Management, Beziehungen zwischen Menschen, und solchen zwischen Beamten und Bürgern, Erziehung, Wirtschaft, Bräuche, Tierhaltung bis hin zu ethischen Fragen, die den Herrscher und seine Minister anbetreffen.

Es fällt auf, dass die Verfasser des Buches eine Vision vom Staat haben, die erstaunlich pluralistisch anmutet, obwohl ich nicht der Meinung anderer Übersetzer bin, dass dies eine ‘egalitäre’ Vision war. Es wird doch sehr deutlich gemacht im Text, dass Egalität kein Prinzip von Regierung sein kann, weil Gleiche nicht über Gleiche regieren können, und also Ungleichheit der Bürger die Voraussetzung für jedes geordnete Staatswesen ist. Dazu gehört auch, dass es eine soziale Hierarchie gibt, welche sich in der hierarchischen Struktur der Regierung selbst widerspiegelt.

Weiterhin fällt auf, dass die Autoren das Ideal eines geordneten und fortschrittlichen Staatswesens herausstellen und von degenerierten, unordentlichen und dekadenten Gesellschaften abzugrenzen suchen. Dies mag man durchaus als verschiedene Stufen in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ansehen.

Ganz besonders wird herausgestellt, dass in allen Fragen der Staatsführung Wert gelegt werden muss auf Ausgeglichenheit und Harmonie, wie dies auch für den menschlichen Körper gilt, und die Interaktion von Menschen mit ihrer natürlichen Umwelt. Negativ stellen die Autoren Aggressivität und Habgier als die menschlichen Schwächen dar, die der Integrität des Staatswesens am schädlichsten sind.

Das umfangreiche Werk enthält Gedanken über Krieg und Frieden, Staat und Gesellschaft, und Weisheit. In der vorliegenden Ausgabe wurden die speziellen Anmerkungen zur Kriegsführung ausgelassen, da sie meiner Meinung nach viel prägnanter von Sun Tsu in seinem Buch von der Kunst der Kriegsführung ausgeführt wurden. Auch von den Weisheitssprüchen wurden nur einige wenige hier eingefügt, da sie sehr an das Dao De Ging erinnern, dort aber weitaus besser und prägnanter formuliert wurden.

Kindle Edition

Siehe auf Amazon Deutschland.

Taschenbuch Edition

Siehe auf Amazon Deutschland.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *